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100ml Sekt 100ml Almdudler 4cl Vodka 2cl Waldmeisterlikör Granatapfelsirup nach Auge und Geschmack Minze zur Dekoration
~ Johnny: Be Christl
"Wie wärs mit Sektfrühstück?"
"Ja, natürlich! Gute Idee! Aber für mich soll's schon Champagner sein."
Christl dachte bei sich, ob des wirklich guat is? Ich hab heut ja noch gar nichts gegessen und ein guter Start in ein neues Leben sollt schon mit was G'scheitem beginnen.
"Christl, das wird dir gefallen!! Danach gemma shoppm, das wird leiwand!" rief Erika entzückt aus.
Gitti stieß Christl stürmisch in die Rippen. "Für dich brauch ma auch noch was G'scheits zu anziehen oder willst leicht so in die City?"
Erika kicherte "Is eh in, der Landhauslook."
Blöde Gitti und Erika, dachte Christl verärgert. Einen kurzen Moment zögerte sie, den beiden zu folgen. Es war ein angenehmer Zufall gewesen, daß die zwei sich zu ihr ins Abteil gesetzt hatten. Sie hatten Christl mit ihrem seichten Geschwätz aus den Untiefen ihrer trüben Gedankenwelt gelockt. Doch wollte sie mit ihnen wirklich auch noch den Tag verbringen?
Schließlich gab sie Gittis Zerren nach und ließ sich von den Mädchen in die noble Innenstadt schleifen. Stundenland ließen sie sich dort treiben. Fasziniert beobachtete Christl die Menschenmengen, die sich an ihr vorbei durch die Straßenschluchten schoben. Von allen Seiten lockte Schiller und schillerten Verlockungen. Gitti und Erika gaben ihnen widerstandslos nach. Das Geld in Christls Tasche wurde schwerer mit jedem Schritt, sie wollte sich auch in diesen Luxus hüllen. Ja, das wollte sie! Und schon fand sie sich in einer teuren Boutique wieder, ein elegantes Kleid aus reinster Seide auf ihrer samtenen Haut. Wenn Florian mich so sehen könnte, dachte sie bei sich und lächelte siegreich berauscht.
Als ihnen die vielen Einkaufstaschen zu goldschwer wurden, die Füße in den neuen Kristallschuhen brannten und auch der nigelnagelneue Chihuahua von Gitti seinen Schönheitsschlaf brauchte, beschlossen sie, sich im vornehmsten Stadthotel einzuquartieren. Nach einer kurzen Rast in ihren geräumigen Suiten mit Betten aus Perlmutt, geschmückt mit frischen Blumen aus purem Gold, trafen sie sich erfrischt und vergnügt in der edlen Lobby wieder. Der Glanz ihrer strahlenden Schönheit durchflutete den Raum. Erika war ganz wild auf einen Aperitif und auch Christl konnte ihren Durst nicht leugnen. Bis ein Tisch im Restaurant gehobener Klasse mit großer Haube frei wurde, setzten sie sich an die noble, doch einladende Hotelbar "De Luxe".
Die paillettenbesetzte Weste des Barkeepers funkelte, als er ihre Cocktails brachte. "Orgasmus gefällig?"
Christl fuhr ertappt hoch. Gitti und Erika jaulten vergnügt auf. Gittis Chihuahua kicherte.

Der dritte Orgasmus fuhr noch mehr ein als der zweite. Wenn's nur nicht so teuer wär... Jakob hatte ihr zwar genug Geld mitgegeben, aber alles wollte sie doch nicht gleich am ersten Tag verschleudern.
"Prost!" rief Erikas Freundin.
"Prost!" rief Erika.
"Prostata!" rief Christl laut zurück.
"Bitte, wissen Sie denn nicht, wo Sie sich hier befinden?" Christl schaute auf. Neben ihr stand ein arrogant dreinschauender Mann in anthrazitfarbenem Designeranzug und Fönfrisur. Er schenkte ihr noch einen herablassenden Blick, bevor er sich wieder zu seinen Begleitern gesellte.
Die drei Mädchen und der Chihuahua lachten schrill auf. Christl erhob ihr Glas erneut: "Ex oder nie wieder Sex!" rief sie und prostete auch den anderen Gästen an der Bar zu. "Die nächste Runde geht auf den netten Herrn in Grau" fügte sie hinzu und schwenkte ihr Glas in Richtung ihres neuen Bekannten. Dieser sah sie erbost und peinlich berührt an.
"Was darf's denn für Sie sein?" grinste der Barkeeper. Christl drehte sich wieder um. Sie stellte ihr mittlerweile leeres Glas auf den Tresen, beugte sich zu ihm und flüsterte: "Überraschen Sie mich."
"Das würde ich gerne, doch wenn's um so was Persönliches geht, sollte sich die Dame von Welt zuerst vorstellen."
"I bin die Christl", lallte sie, "die Sonnberger Christl."
Er lächelte nur und begann sogleich mit seinem magischen Handwerk.
Das Ergebnis war berauschend. Süßlich prickelte es auf ihrer Zunge und sie wollte nie wieder etwas anderes trinken. Gitti und Erika, die ihr Glas mit einem Zug leerten, schauten verzückt: "Wie heißt er denn?"
"Ich bin Johnny. Und der Drink -" er blickte Christl tief in die Augen, "heißt 'Be Christl'."

"... as long as i know how to love I know I'll stay alive. I've got all my life to live, I've got all my love to give..." übertönten die Mädchen das Radio und Christl übertönte den Gesang der Mädchen, "...and I'll survive. I will survive!"
Die meisten Gäste waren schon gegangen und Johnny hatte nichts gegen ihre Ausgelassenheit. Christl fühlte sich frei, so frei wie ein junges Pferd, das nach langer und dunkler Winterzeit zum ersten Mal hinaus in die Weite galoppierte. Niemand konnte ihr vorschreiben, was zu tun war, wie sich ein Mädchen ihres Alters zu benehmen hatte. Niemand war hier, der ihr morgen Vorwürfe machen würde. Zum ersten Mal fühlte sie keine prüfenden Blicke auf ihrem Rücken. Nur sie allein konnte bestimmen, wo ihre Grenzen waren.
"Sie wissen, ich werde diese Rechnung nicht bezahlen. Karl-Heinrich achtet stets auf sein Nulldefizit!" Schon wieder stand Fönfrisur neben ihr.
"Junger Mann, kein Benehmen haben Sie!" erwiderte Christl. Gitti und Erika kicherten. Der Chihuahua hatte schon Ringe unter den Augen und brauchte wieder Schönheitsschlaf.
Christl warf sich Fönfrisur an den Hals. "Können Sie tanzen?"
"Natürlich," entfuhr es ihm automatisch. Dann schien er sich zu besinnen. "Aber nicht in diesem Ambiente!"
Christl lachte in sich hinein und sah ihm in die Augen. Eigentlich waren die ganz schön... "Was für ein Ambiente brauchen Sie denn?"
Das Mädchen merkte wie Karl-Heinrichs Körper sich beim Tanzen an ihr rieb. "Ein privatwirtschaftlicheres. Ich komme gerade von einem Yachtausflug."
Verdutzt sah Christl ihn an. Wenn ein Mann schon nicht schlau ist, dann ist er vielleicht gut im Bett? Näckisch spitzte sie ihm ihre Lippen entgegen.
Karl-Heinrich trat einen Schritt zurück und legte wortlos einen Zimmerschlüssel vor dem Mädchen auf die Bar. Er blickte Christl bedeutungsschwanger in die Augen, sprühte sich Odol in den Rachen und drehte sich theatralisch gen Aufzug. Sein volles Haar wehte im Gegenwind.

"666? 669? 666? 669? 666? 669? ... 669!" beschloss Christl und sperrte mit dem Schlüssel das fremde Zimmer auf.
"Ich wusste du, du wirst kommen." ertönte Karl-Heinrichs Stimme vom Bett herüber, wo er in knappem Slip mit modischem Leopardenprint posierte. Sein bronze-farbener Teint leuchtete orange im goldenen Kerzenschein.
Na hoffentlich! dachte Christl bei sich und ließ ihr Seidenkleidchen zu Boden gleiten.
"Komm schon her, ich bin erregt", raunte er ihr entgegen. "Wie schön du bist, so ... so ... nackt."
Christl seufzte und erforschte neugierig den Inhalt der Leopardenprintunterhose. Beim Gedanken an Pater Florians Männlichkeit war sie bei diesem Anblick doch etwas enttäuscht. Sie spürte einen Klaps auf ihrem Hintern. Wenigstens mal was Neues dachte sie und Karl-Heinrich lächelte sich selbst im großen Spiegel an, der in diesem Zimmer zufällig über dem Bett hing. Der erregte Jüngling klammerte sich fest an sie und verlor sich in rhythmischem Keuchen. Und während Christl noch versuchte, sich in die Situation einzufühlen, erbebete Karl-Heinrichs Körper schon in einem starren Zucken. Eine einzelne Träne rann still und leise über seine linke Wange.
Christl löste sich aus seiner Umarmung und schickte sich an zu gehen. "Geh nicht!" hörte sie sein Rufen. "Bitte, bleib!"
Sie drehte sich ein letztes Mal zu ihm um, dann fand sie sich im hell erleuchteten Hotelkorridor wieder.
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