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For me there is only the traveling on paths that have heart, or any path that may have heart. There I travel, and the only worthwhile challenge is to traverse its full lenght. And there I travel looking, looking, breathlessly. ~ Carlos Castaneda: The Teachings of Don Juan
Die dunkle Eichentür wirkte alt und schwer. Efeu umrankte die Vorderfront des kleinen Häuschens, welches so alt zu sein schien wie der Wald selbst, der es umgab. Christl war noch nie hier gewesen und nun verstand sie auch, warum die Dorfbewohner diesen seltsamen Ort mieden und nur hinter vorgehaltener Hand von ihm und seiner Bewohnerin sprachen - das Haus wirkte wirklich wie das einer Hexe, mystisch tief im Wald verborgen.
Das Mädchen zögerte. Dabei hatte der Gedanke, hierher zu kommen sie gar nicht geschreckt. Nach den morgendlichen Stallarbeiten war sie sogleich zur Kirche gelaufen, um Florian zu fragen, wie es Michl ging. Doch sie war sich selbst gegenüber ehrlich: in Wirklichkeit war das nur ein Vorwand gewesen, um ihn zu sehen. Und auch er schien erfreut, als er sie erblickt hatte. Als er Christl gebeten hatte, der alten Aloisia Milch und Weihrauch hinauf zu bringen, hatte sie nicht lange gezögert - sie würde alles tun, um das freundschaftliche Verhältnis zu bewahren, das ihnen das Abenteuer der letzten Nacht beschert hatte.
Doch nun war sie doch unsicher, als sie so vor dem Haus stand, das eher in ein Märchen zu gehören schien als in die Gegend, die sie schon seit ihrer Kindheit kannte. Die Worte von Moni, die sie auf dem Weg aus dem Dorf getroffen hatte, hallten in ihren Gedanken wider: "Zur Aloisia gehst? Wos wüst'n bei der oidn Hex?" Dann hatte die Freundin gekichert. "Kannst dich erinnern, als wir Kinder warn? Keiner von uns hat sich getraut, herauf zu kommen, als der Johann wetten wollt ..."
Natürlich kannte man Aloisia im Ort, doch Christl hatte ihr gegenüber immer Abstand bewahrt. Und jetzt, wo sie wirklich vor ihrer Türe stand, verwehte auch langsam das freudige Kribbeln in ihrem Bauch, das sie in Florians Gegenwart so stark gespürt hatte. "Ach", sagte sie sich schließlich und holte tief Atem, "wos sois!"
"Knock, knock", dachte Christl, doch noch bevor ihre zarte Hand die alte Tür berührte, wurde diese von innen geöffnet. Verdutzt blickte das Mädchen in das Gesicht der einsiedlerischen Frau. Es war nicht zu bestimmen, wie viele Lenze sie zählte, Christl wusste nur, dass sie sehr, sehr alt sein musste. Doch ihre Augen funkelten neckisch, beinahe wie bei einem Kind. "Komm nur herein, Christl Sonnberger", kicherte sie, "komm nur herein!"

Die Tür des alten Küchenschranks knarzte, als Christl sie öffnete.
„Hinten in der Blechdose", meinte Aloisia, die ihren suchenden Blick bemerkt hatte. Warum jetzt gerade Salbeitee so wichtig war, war Christl unbegreiflich. Der alte Schrank roch muffig und der Anblick des Staubs in der Küche hätte ihre Mutter laut ausrufen lassen. Aloisia schmatzte laut auf und trank die halbe Tasse auf einmal.
Nachdem Christl das Geschirr abgeräumt hatte, blickte sie zu Aloisia, die sie dabei beobachtete.
„Wir sollten gehen", meinte diese.
Christl: „..." und schaute verdutzt.
„Wir sollten gemeinsam ein Stück des Weges gehen."
Christl: „...?!" und erwiderte nichts.
Aloisia sprang auf und packte Brot, Speck und ungewöhnliche Kräuter in einen alten Lederranzen.
Sie waren schon mehrere Stunden unterwegs und lang schon lag der Heimatort hinter ihnen, als Christl zu fragen wagte: „Wohin gemma denn?"
Aloisia schaute auf und ihre Augen glitzerten. „Wohin führst du uns?"

Die Pause war zu kurz oder auch zu lang? Christl konnte es nicht sagen, sie war müde und erholt zugleich. Sie spürte die Spannung aus ihren Schultern weichen.
„Florian!" rief sie laut auf. „Florian!!"
Plötzlich, sie konnte ihren Augen kaum trauen, erschien ein Bär auf der Wiese, auf der sie gerastet hatten. Er war riesig und schwarz. Christl erstarrte vor Schreck. Sie sah das Tier an und es blickte wild zurück. Christl wusste, sie konnte ihr Geschick nur noch in die Hände Gottes legen. So sollte es also zu Ende gehen. Die Ironie der Situation ließ das Mädchen beinahe laut auflachen. Sie war mit Aloisia gegangen, sie hatte diesen Weg eingeschlagen und so traf sie also auch ihre Bestimmung. Natürlich, es konnte auch nur so enden. Und eigentlich hatte sie es von Anfang an herausgefordert. Sie stählte ihre Brust und sah ihrem Schicksal in die animalischen Augen. Da raschelte es im Unterholz.
Ein Rehkitz, gar jung und fein, sprang leichtfüßig auf die Lichtung. Der Bär zuckte zusammen und löste seinen starren Blick von Christl. Furcht spiegelte sich in seiner ganzen Haltung wider, als er seinen großen Kopf dem kleinen Rehkitz zuwandte. Für einen langen Moment erstarrten beide Tiere. Dann, plötzlich, fuhr der Bär auf und floh atemlos in den Schutz der Bäume. Ungestüm sprang das Rehkitz hinterher und bevor es im Wald verschwand, erkannte Christl den lodernden Ausdruck in seinen Augen.
„Da hat der Bär aber noch einmal Glück gehabt!" hörte sie Aloisias Stimme wie von weither. Christl war, als wollte ihr Herz zerspringen und sie griff zur Kanne, um noch einen Schluck Salbeitee zu nehmen. Seine Wärme durchflutete sie sofort. Doch wieder knisterte es im Unterholz. Das Mädchen erschreckte. Leichten Hufes betrat erneut das Rehkitz die Lichtung. Es schritt bis zur Mitte der Wiese, bis es nur noch wenige Meter von Christl entfernt war. Das Reh war schlank und sein Fell schimmerte rötlich in der Sonne. Christl entfuhr ein leises Stöhnen, als sie diese übernatürliche Schönheit erblickte. Das Reh erbebte. Für einen kurzen Moment trafen sich die Blicke des Tieres und des Mädchens und eine besondere Kraft durchfuhr Christl. Instinktiv schreckte das Tier zurück und floh in die Dunkelheit des Waldes.
Erstaunt sah Christl Aloisia an, welche ihre Frage zu erraten schien. „In den Tiefen des Waldes leben viele Tiere", meinte sie nur und reichte Christl den Salbeitee.
Nachdem das Mädchen einen weiteren Schluck getrunken hatte, raschelte es ein drittes Mal im Unterholz. Sie blickte hoch in der Erwartung, das Rehkitz würde ihr wieder erscheinen. Doch schon im nächsten Moment gefror Christl das Blut in den Adern und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinab, denn es war nicht das Rehkitz, das da aus dem Walde trat.
Erstarrt beobachtete sie sich selbst ins Sonnenlicht treten. Die Gestalt war die ihre, nur ihre Haare leuchteten frech in einem lodernden Rot. Christl sah sich ihrem eigenen Antlitz, heiß und feurig, gegenüber. Und mit einem Entsetzen, das sie bis ins Innerste spürte, rannte sie los und floh in den Schutz der Bäume. Die eigenen leichtfüßigen Schritte folgten ihr. Sie lief und lief, über Wurzeln stolpernd, nicht auf ihren Weg achtend, doch sie hörte ihre Verfolgerin genauso schnell hinter sich.
Wie lange konnte sie noch weiter? Die Luft ging ihr langsam aus und ihre Lunge brannte. Die Äste peitschten in ihr Gesicht und scharfkantige Steine zerrissen die zarte Haut ihrer Waden. Schließlich zwang ihr Körper sie keuchend zum Innehalten. Voller Angst blickte sie zurück. Ihr wildes Gegenstück stand ihr keuchend gegenüber. Sie sah die eigene Angst sich in den Augen der anderen spiegeln. Langsam streckte Christl ihre Hand sich selbst entgegen. Neugierig strichen ihre Finger durch die wild durcheinanderliegenden roten Locken. Impulsiv trat Christl einen Schritt näher an sich heran. Sie fühlte keine Angst mehr, nur noch die alles überwältigende Anziehungskraft, die von diesem, ihrem eigenen, Körper ausging. Sie fühlte, wie weich ihre Haut war und erschauerte am ganzen Leib, als ihre Hand an ihrer sanft schimmernden Brust innehielt. Ihre geschickten Finger umspielten neckisch ihre Brustspitzen, die vor Erregung anschwollen. Endlich gaben sie sich ganz ihrem Verlangen hin und glitten gen moosbewachsenem Waldboden.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich ihrer Kleider entledigt hatten und ihre Leiber sich fest aneinander rieben. Ihre sanften Hände erforschten die sinnlichsten Stellen ihres Körpers und wagten sich auch vor an ihre verbotendsten Geheimnisse. Gänsehaut lief ihnen über den schmalen Rücken, als sie ihre Scham überwunden hatten und sanft ihre Liebesknospe berührten. Brennende Leidenschaft durchfuhr sie wie Feuer und immer ungeduldiger wurden ihre Liebkosungen. Ungeahnte Empfindungen jagten durch ihren Körper und ihre Lust steigerte sich ins Unermessliche. Im heftigen Rhythmus bäumte sie sich auf und schrie den lautesten Schrei ihres Lebens.
Endlich frei erkannte Christl, was sie zu tun hatte. Sie machte sich auf die Jagd nach dem Bären.
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